Japanische Whisky-Herstellung: Vom Malz zur Flasche
Was macht japanischen Whisky aus?
Japanischer Whisky hat sich einen festen Platz in gut sortierten Bars erobert. Wer verstehen möchte, warum eine Abfüllung mild und getreidig schmeckt und eine andere kräftig und rauchig, kommt an der Produktion nicht vorbei. Der Charakter entsteht nämlich nicht an einer einzigen Stelle, sondern über die gesamte Kette hinweg: bei den Rohstoffen, bei handwerklichen Entscheidungen, durch die verwendete Anlagentechnik, während der Reifung im Holz und am Ende bei der Arbeit des Blenders.
Die Grundzüge des Verfahrens sind aus Schottland bekannt. Interessant sind die Details, denn japanische Destillerien arbeiten nicht nach einem einheitlichen Rezept. Unterschiedliche Malzsorten, unterschiedliche Brennanlagen und unterschiedliche Fässer führen zu klar unterscheidbaren Stilrichtungen. Dieser Artikel geht die Produktionsschritte der Reihe nach durch.
1. Getreide und Malz
Am Anfang steht das Getreide. Für Malt Whisky ist es gemälzte Gerste: Gerste, die zum Keimen gebracht und anschließend getrocknet wurde. Durch diesen Vorgang werden im Korn Enzyme aktiv, die später die Stärke in vergärbaren Zucker umwandeln können. Ohne diesen Schritt gäbe es nichts, was Hefe verarbeiten könnte.
Japanische Destillerien setzen je nach angestrebtem Stil ungetorftes oder getorftes Malz ein. Getorftes Malz wurde über Torfrauch getrocknet und bringt jene rauchig-phenolischen Noten mit, die viele Trinker aus Schottland kennen. Ungetorftes Malz lässt Getreide-, Frucht- und später Holznoten deutlicher hervortreten. Häufig wird dabei importiertes Malz verwendet; die Vorstellung, japanischer Whisky beruhe grundsätzlich auf japanischem Getreide, trifft nicht zu.
Davon zu unterscheiden ist Grain Whisky, der aus anderen Getreidearten hergestellt wird und in der Produktion einen eigenen Weg nimmt. Er ist typischerweise leichter angelegt und spielt vor allem in Blends eine Rolle.
2. Maischen: Zucker aus dem Malz lösen
Das Malz wird gemahlen und mit warmem Wasser vermischt. Dieser Schritt hat eine einfache Aufgabe: Er soll den im Korn gebundenen Zucker lösen und in Flüssigkeit überführen. Die Temperatur des Wassers ist dabei entscheidend, weil die Enzyme nur in einem passenden Bereich arbeiten.
Das Ergebnis ist eine zuckerhaltige Flüssigkeit, die von den festen Bestandteilen getrennt wird. Sie ist die Grundlage für alles Folgende, denn was hier nicht gelöst wird, steht der Hefe später nicht zur Verfügung. Rein sensorisch erinnert diese Flüssigkeit noch stark an süßlichen Getreidesud und hat mit dem späteren Destillat wenig zu tun.
3. Fermentation: Aus Zucker wird Alkohol
In der nächsten Stufe kommt Hefe hinzu. Sie verarbeitet den gelösten Zucker und erzeugt dabei Alkohol sowie Kohlendioxid. Zugleich entstehen zahlreiche Aromastoffe, die den späteren Whisky mitprägen. Die vergorene Flüssigkeit wird als Wash bezeichnet und im Verlauf der Gärung bewegt, damit der Prozess gleichmäßig verläuft.
Wie lange gegoren wird, ist keine feste Größe. Die Dauer gehört zu den Stellschrauben, über die eine Destillerie ihr Profil formt, und wird je nach Haus und Zielstil unterschiedlich gehandhabt. Nach der Gärung liegt eine alkoholhaltige, bierähnliche Flüssigkeit vor, die noch destilliert werden muss.
4. Destillation: Kopf, Herz und Nachlauf
Die Destillation nutzt einen einfachen physikalischen Umstand: Alkohol siedet bei niedrigerer Temperatur als Wasser. Wird der Wash erhitzt, verdampfen die alkoholischen Anteile zusammen mit vielen Aromastoffen zuerst, steigen auf, kühlen ab und werden wieder flüssig.
Für Malt Whisky kommen dabei klassische Pot Stills zum Einsatz, kupferne Brennblasen, die satzweise gebrannt werden. Ihre Form und Größe beeinflussen, wie schwer oder leicht der entstehende Spirit ausfällt. Grain Whisky lässt sich dagegen in Column Stills erzeugen, also in kontinuierlich arbeitenden Kolonnenapparaten. Dass japanische Häuser mit verschiedenen Anlagentypen arbeiten, ist einer der Gründe für die stilistische Bandbreite des Landes.
Der wichtigste handwerkliche Moment ist der Schnitt. Der Brennlauf wird in drei Abschnitte geteilt: den Vorlauf, das Herzstück und den Nachlauf. Nur das Herzstück wird für den Whisky verwendet, Vor- und Nachlauf werden abgetrennt. Der Brennmeister behält Temperatur und Spirituosenlauf im Blick und beobachtet das Destillat am Spirit Safe, dem verglasten Kontrollgehäuse. Wo genau geschnitten wird, ist eine Stilentscheidung und keine allgemeingültige Zahl: Ein früher Schnitt liefert ein anderes Aromabild als ein spät gesetzter.
5. Reifung im Fass
Was die Brennblase verlässt, ist klar. Der frische Spirit, oft New Make genannt, hat noch keine Farbe und wirkt kräftig und roh. Farbe sowie ein erheblicher Teil der Aromen, die man später mit Whisky verbindet, entstehen erst während der Fassreifung.
Im Holz laufen dabei mehrere Vorgänge parallel. Der Spirit nimmt Substanzen aus dem Fass auf, unerwünschte Bestandteile treten zurück, und über die Zeit verändert sich die Textur. Vanille-, Karamell-, Gewürz- oder Trockenfruchtnoten sind typische Beiträge des Holzes, wobei die Vorgeschichte des Fasses eine große Rolle spielt. Auch das Klima des Lagerhauses wirkt mit.
Weil Fässer so stark auf das Endergebnis wirken, haben wir dem Thema einen eigenen Beitrag gewidmet: Warum die Fassauswahl den Whisky prägt.
6. Blending und Abfüllung
Vor der Abfüllung steht die Auswahl. Bei einem Single Malt stammen alle verwendeten Fässer aus einer Destillerie und wurden aus gemälzter Gerste gebrannt. Bei einem Blend kommen Malt- und Grain-Whisky zusammen, was ein anderes, häufig zugänglicheres Profil ergibt. In beiden Fällen entscheidet die Person, die vermählt, welche Fässer welchen Beitrag leisten und wie das fertige Aromabild aussehen soll.
Anschließend wird auf Trinkstärke reduziert und abgefüllt. Genau diese Zusammenführung erklärt, warum eine Abfüllung Jahr für Jahr wiedererkennbar bleiben kann, obwohl kein Fass dem anderen gleicht.
Fazit: Der Charakter entsteht schrittweise
Malz, Maischen, Gärung, Destillation, Reifung und Blending greifen ineinander. Jede Stufe engt die Möglichkeiten ein und legt fest, was am Ende im Glas ankommt. Wer diese Kette einmal nachvollzogen hat, schmeckt beim nächsten Dram bewusster mit, ob ein Whisky rauchiges Malz mitbringt, ob die Destillation eher leicht angelegt war oder ob das Holz die Hauptrolle spielt.
Wie sich ein solches Profil im Glas verhält, lässt sich gut beim Servieren beobachten. Praktische Hinweise dazu finden Sie in unserem Beitrag zum japanischen Highball.
Quellen
- The Complete Guide to Japanese Drinks: Sake, Shochu, Whisky, Beer, and More, S. 192.
- Brian Ashcraft: Japanese Whisky, S. 71, 75, 76, 192–193.
- Japanese Whisky Yearbook 2023, Abschnitte zu Fermentation, Destillation und Grain Whisky.
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